Bausubstanz vor Ort
Was in Kiel typisch ist: und worauf ich achte
Kiel ist kein einheitlicher Baubestand. Die schweren Kriegszerstörungen, der Wiederaufbau der 1950er, die erhaltene Gründerzeit an der Förde und die großen Siedlungen der 1960er und 70er bringen jeweils eigene Schwachstellen mit. Eine Begutachtung ist hier nur so gut, wie sie die örtliche Bauweise und die Fördelage kennt.
Wiederaufbau und Nachkriegsmoderne
Als Marinestandort wurde Kiel im Zweiten Weltkrieg besonders stark zerstört. Große Teile der Innenstadt stammen aus dem Wiederaufbau der Nachkriegsjahre. Typisch sind hier Betonskelette mit Ziegelausfachung, überalterte Flachdächer und Abdichtungen sowie Fenster und Haustechnik, die ihre Nutzungsdauer längst überschritten haben.
Erhaltene Gründerzeit in Düsternbrook, Ravensberg und Blücherplatz
In den Villen- und Altbaulagen an der Förde blieb ein Teil der Gründerzeit erhalten. Hier stehen die klassischen Altbau-Themen im Vordergrund: fehlende oder überalterte Horizontalsperren, aufsteigende Feuchte im Sockel, nachträglich innen gedämmte Außenwände mit Tauwasserrisiko und Holzbalkendecken, deren Auflager man ohne Öffnung nicht sieht.
Großsiedlungen der 1960er und 70er in Mettenhof und Gaarden
Ein großer Teil des Bestands stammt aus dem Wohnungsbau der Nachkriegsjahrzehnte. Typisch sind Betonfertigteile mit Wärmebrücken an Stürzen und Balkonplatten, Kelleraußenwände ohne funktionierende Abdichtung sowie, je nach Baujahr, asbestverdächtige Materialien in Bodenbelägen, Fassaden- und Dachplatten.
Fördelage, Grundwasser und Schlagregen
In fördenahen Lagen stehen Kellerfeuchte und Abdichtung dauerhaft im Fokus, der hohe Grundwasserstand am Wasser tut ein Übriges. Dazu kommt die salzhaltige, dem Schlagregen von der Förde ausgesetzte Nordlage: Klinker- und Putzfassaden werden hier stärker beansprucht als im Binnenland. Beides fließt in meine Bewertung von Rissen und Feuchteschäden ein.